"  L  e  d  e  r  f  r  e  s  s  e  "

von Helmut Krausser

Premiere: 9. Oktober 1998

mit: Hubert Dragaschnig
Anna Magdalena Fitzi
Robert Kahr


Regie: Augustin Jagg
Bühnenbild: Alex Kölbl
Licht: Markus Holdermann
Musik: Herwig Hammerl

Hinterbühne
Festspielhaus Bregenz

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ER ist "Schriftsteller", wartet auf seinen Durchbruch und hat sich vom letzten Geld seiner Freundin eine Kettensäge gekauft. Als SIE von der Arbeit nach Hause kommt (soeben wurde sie als Kellnerin gefeuert) probiert er, in Kostüm und Maske aus dem Film "The Texas Chain Saw Massacre" gerade die Kettensäge aus. Ihr Schrecken mündet in Streit und schließlich in ein absurd bizarres Spiel. Die lautstarke Auseinandersetzung zwischen den beiden ruft den Nachbarn auf den Plan, der sich über den Krach beschwert und die Polizei alarmiert. Lederfresse verwehrt mittels der Kettensäge den Polizisten den Zugang zu seiner Wohnung, das Haus wird umstellt, da die Polizei annimmt, er halte die Frau gewaltsam fest. Inzwischen hat sich das Paar jedoch wieder versöhnt und nutzt die ungewohnte Situation aus. In einem simulierten "Erpresserspiel" fordern die beiden Bier, das von der Polizei auch prompt gebracht wird. Nach und nach wird aus dem Spiel blutiger Ernst, das sinnlose Ende ist vorprogrammiert...

"Lederfresse" ist ein heutiges, ein düsteres Stück - ohne Perspektive? Gezeigt werden eine Beziehung und eine Gesellschaft, in der, jeder einzelne an seiner Einsamkeit leidend, Abschied genommen wird von einer alten, unzureichenden Welt. Der zum scheitern verurteilte Versuch, eine neue Gegenwelt aufzubauen wird zelebriert - eine Gegenwelt, die jedoch ihrerseits wiederum Anteil hat an der allgemeinen Eskalation der Gewalt in der westlichen Welt.

"Lederfresse" behandelt mein Lieblingsthema: die chronischen Angstzustände der aus den Fugen brechenden Westwelt, die daraus entstehenden Masken und Mutationen, die völlige Aufhebung der Wirklichkeit in der Simulation. Das Tier unterscheidet sich vom Menschen durch die Fähigkeit zur Ehrlichkeit."
Helmut Krausser