"  I  c  h      g  e  h  e      f  o  r  t  "

von Alexej Slapovskij

Uraufführung

Premiere: 28. September 2000

mit: Uwe Achilles
Otto Edelmann
Gabriele Graf
Peter Hottinger
Bernhard Majcen
Berenice Pahl
Vera Schweiger
Ulrike Tscharre
Uli Zentner


Regie: Hubert Dragaschnig
Bühne: Vanessa Achilles
Kostüme: Heike Huber
Licht: Markus Holdermann
Musik: Andreas Schreiber

Hinterbühne
Festspielhaus Bregenz

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Eine exzentrische Komödie

Einer will weg aus der Provinz, irgendwohin - einfach fort - weg von dem Platz, an dem er sein Leben verlebt, nach Moskau vielleicht, wer weiß. Oder will er doch lieber dableiben, wo er ist, bei den Freunden, den Frauen, der Mutter? Gramov, der Held in "Ich gehe fort" von Alexej Slapovskij (Jahrgang 1957), ist vielleicht der Russe schlechthin, von Sehnsucht nach der Ferne gepackt und doch unfähig, sich vom Gewohnten zu lösen.

Er erzählt und erfindet Geschichten, hat feste Beziehungen, hat flüchtige Beziehungen, bleibt allein und ratlos, ist nicht gut, nicht schlecht. Die anderen sucht er nur, um sich zu finden, zu bestätigen, aber solche Selbstwertbestimmung mißlingt in grotesker Weise. Ob er Abschied nimmt oder den Abschied verschiebt, ob er sich betrinkt oder gar tot ist, ob er als Held gefeiert oder als Widerling angeklagt wird - es läßt sich nichts an ihm festmachen, kein Gefühl, kein schöpferischer Impuls, kein tragfähiger Gedanke. Er ist einer, dessen Leben sich zwischen absurder Nostalgie und Tschechow'scher-Melancholie verkeilt und seiner Existenz tragikomisch zu schaffen macht.

"Bei uns in Rußland sind alle Menschen Philosophen, die vor sich selber davonlaufen und dann eben auch von anderen wegzugehen versuchen." Dem liege der Versuch zugrunde, eigene Grenzen zu sprengen, über sich hinauszugehen, die physische Fesselung an einen Ort zu überwinden, sagt der Autor Alexej Slapovskij und beschreibt trotzdem in seinem Stück "Ich gehe fort" eine seelische Bewegung, die nach außen drängt und wieder zum Mittelpunkt zurückführt.

Die Lust nach Veränderung, genährt durch ein tiefes Verlangen Bilanz zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen, verliert unvermittelt ihre Attraktivität und weicht der Erkenntnis um die eigene fatalistische Existenz - nämlich hier bleiben zu müssen.

Gramov:
"Ich kann einfach nicht. Ich liebe euch. Ich hasse euch. Ich kann ohne euch nicht leben. Ich kann ohne diese verdammte Stadt nicht leben. Wenn ich schon Sehnsucht habe, bevor ich in den Zug gestiegen bin, was wird dann später sein?"