"  P  e  r  a      P  a  l  a  s  "

von Sinan Ünel

Österreichische Erstaufführung

Premiere: 15. März 2001

mit: Günther Baumann
Heide Capovilla
Otto Edelmann
Reinhard Froboess
Thomas Griess
Martha Günzl
Christian Packbier
Marko Pustišek
Dagmar Rohm
Antonia von Romatowski
Thomas Seiwald
Tatjana Velimirov


Regie: Hubert Dragaschnig und
Augustin Jagg
Bühne: Edgar Leissing
Kostüme: Heike Huber
Licht: Markus Holdermann
Musik: Andreas Schreiber

Hinterbühne
Festspielhaus Bregenz

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In einem Land, das sowohl in Asien als auch in Europa liegt, in einer Metropole, in der Orient und Okzident sich die Hände reichen, in der einzigen Stadt auf der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt - in Istanbul - steht ein ganz besonderes Hotel.
Es ist das Pera Palas, das älteste europäische Hotel der Türkei. 1891 eröffnet und zunächst vor allem für Reisende des Orient-Expresses gedacht, hat das Pera Palas den Niedergang des alten Osmanischen Reiches, die Gründung der Republik, zwei Weltkriege und den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebt. Mehr noch: das Hotel trägt die Spuren jener Begebenheiten und ist deshalb mehr als eine - zugegebenermaßen recht luxuriöse - Herberge für Touristen.
Es ist ein Symbol. Viele Prominente des 20. Jahrhunderts von Mata Hari und Agatha Christie bis zu Atatürk und dem Schah von Persien haben dort logiert. Das Pera Palas ist ein Mythos. Und es ist der zeitliche, räumliche und inhaltliche Knotenpunkt in Sinan Ünels gleichnamigem Stück.

Drei Generationen im 20. Jahrhundert stellt der amerikanische Autor türkischer Abstammung vor. Die erste Geschichte spielt 1918 während der letzten Tage des Osmanischen Reiches. Eine emanzipierte englische Autorin besucht eine Freundin in einem türkischen Harem und sorgt für allerhand Unruhe in einer ohnehin bedrohten Scheinidylle...

Die zweite Geschichte handelt von den amerikanischen Geschwistern Kathy und Anne, die 1952 in Istanbul in einer Schule unterrichten, bis sich Kathy in einen jungen Türken verliebt.

Die dritte Geschichte spielt 1994. Der türkische Photograph Murat reist mit seinem Lebenspartner Brian in seine Heimat Istanbul, die er vor Jahren mit seiner Familie zerstritten verlassen hat. Die drei verschiedenen Plots verknüpfen sich überraschend geschickt miteinander.

Zentrifugal entwickeln sich die Geschichten, die alle drei zwischen den Kräften Aufbruch und Tradition oszillieren, sodass am Ende wie bei einem Mosaik ein ganzes Bild entsteht. Die Geschichten berühren besonders durch die grundsätzliche Menschenliebe und das Verständnis, mit dem der Autor Fremdes und Vertrautes beschreibt.

"Pera Palas" stellt die Phantasien von 1001 Nacht ebenso vor wie den Alltag in der Türkei, paart Geschichte und Gegenwart und stellt global gültige Fragen wie: "Kann der Einfluss des Westens auf eine östliche Kultur jemals mehr als eine Gefahr sein? Kann die Kraft der Liebe die sozialen, kulturellen und religiösen Konflikte zweier Menschen mit völlig verschiedenen historischen Hintergründen beantworten?