Premieren 2019

 „WIE GEFÄLLT EUCH UNSERE ZEIT?“

Dieser Frage will das Theater KOSMOS mit drei Uraufführungen und einer österreichischen Erstaufführung im Jahr 2019 nachgehen.

Das Zitat stammt aus Ödön von Horvaths Roman Ein Kind unserer Zeit, welches Bernhard Studlar auch seinem Stück Nacht ohne Sterne vorangestellt hat. Es kann als Motto für den Spielplan 2019 im Theater KOSMOS gesehen werden. Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg, Leiter des Theater KOSMOS, stellten ihre Projekte für 2019 vor und positionieren sich damit erneut als Theatermacher mit sicherem Gespür für gesellschaftspolitische Entwicklungen. „Es ist wichtig, unsere Zeit sehr genau zu betrachten und Stellung zu beziehen. Wenn heute Populisten mit oberflächlichen Phrasen unsere Gesellschaft spalten und Teile dieser Gesellschaft ihr freies Denken blockiert, wenn diese Gesellschaft drauf und dran ist, sich wieder in eine „selbstverschuldete Unmündigkeit“ - im Kant‘schen Sinne - zu begeben, soll das Theater eine Bastion der Mündigkeit sein“, so Dragaschnig und Jagg.

Vor diesem Hintergrund, verspricht das Theaterjahr 2019 im KOSMOS ein besonders spannendes zu werden. Das Theater bietet seinem Publikum
3 Uraufführungen und 1 österreichische Erstaufführung:

NACHT OHNE STERNE von Bernhard Studlar (ÖE) | ODYSSEE – EIN STÜCK ÜBER HEIMAT nach Homer (UA) | DAS OPTIMUM (Arbeitstitel) von Mario Wurmitzer (UA) | LAMM GOTTES (Arbeitstitel) von Michael Köhlmeier (UA)


Kunst als Bollwerk gegen die Unmündigkeit

„Zunehmend wird jede Facette unseres Lebens ökonomisiert“, sagen die beiden künstlerischen Leiter Dragaschnig und Jagg, „zunehmend werden öffentliche Bereiche wie Bildung, Soziales oder Kunst und Kultur profaner Rentabilität unterstellt. Damit wird unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben auf Statistik und Messbarkeit reduziert.“
Dagegen setzt das Theater eine eigenwillige Aktion: an je einem Veranstaltungsabend einer Produktionsserie bekommt jeder Zuschauer nach dem kostenlosen Besuch des Theaterstücks 10 Euro überreicht. „Menschen und Besucher sind keine Zahlen“, sagen die beiden Theaterleiter, „sie können nicht in Statistiken gezwängt werden! Und das lassen wir uns auch nicht.“

„Wir glauben, dass die Bühne ein ausgezeichneter Ort ist, sich Menschen und Ihren Biografien zu nähern, sie manchmal sogar zu erleben. Daraus entsteht Respekt vor dem Gegenüber, Mitleid für den Anderen, Verständnis für die Überlebensstrategien des Fremden und Empathie für eine Minderheit. Das sind Errungenschaften unserer Demokratie, das ist die Qualität unserer Zivilisation. Vermehrt setzen politische Parteien auf Entsolidarisierung, auf Ab-, Ein- und Ausgrenzung und ziehen sich in einen chauvinistischen Nationalismus zurück. Immer mehr Menschen schließen sich dieser Haltung an – auch, um ja nichts von dem zu verlieren, das sie noch gar nicht besitzen.“

Auch dagegen setzt das Theater KOSMOS eine eigenwillige Aktion und lädt diese Menschen ein, um sich mit Ihnen in einen Diskurs zu begeben und sie für ein solidarisches Verhalten zu gewinnen. Aus diesem Grund lädt das Theater KOSMOS alle Personen, die eine FPÖ Mitgliedschaft besitzen und diese auch ausweisen können, herzlich ins Theater ein und bieten ihnen bei allen 4 Theaterproduktionen des Theater KOSMOS im Jahre 2019 freien Eintritt.

Das Theater KOSMOS in Bregenz ist Vorarlbergs wichtigster Ort für hochqualitatives, zeitgenössisches Theater und will mit seinen Ur- und Erstaufführungen aufregende Theaterkunst präsentieren, aber durchaus auch irritierende Impulse setzen. Es erweist sich somit erneut als Ort der theatralischen Kreativität, des gesellschaftlichen Diskurses und der politischen Diskussion.

 

THEATER KOSMOS

 

NACHT OHNE STERNE
von Bernhard Studlar
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 23. Februar 2019

Eine Stadt, irgendwo in Europa. Die Wege ihrer Bewohner kreuzen oder trennen sich für immer in dieser sternlosen Nacht. Ständig heulen die Sirenen, auf den Straßen wird dauerdemonstriert. Zwei Männer werden getötet, einer im Theater, einer auf der Straße; ein Dritter, todkrank, stürzt sich aus dem Fenster. Es geht um Spielschulden und Schuldgefühle, um Existenzängste, um Sicherheit und um die Sehnsucht nach ein wenig Glück.
„Nacht ohne Sterne“ erzählt vom Dünnerwerden der Zivilisationsdecke in einer Zeit, in der terroristische Gewalt und soziale Ungleichheit Rechtspopulisten in die Hände spielen und die Gesellschaft sehr zerrissen scheint.


ODYSSEE - EIN STÜCK ÜBER HEIMAT
nach Motiven von Homer
Regie: Philip Jenkins
Uraufführung

April 2019

Mit „Odyssee – ein Stück über Heimat“ stellt das Theater KOSMOS unterschiedliche Welten gegenüber und verknüpft antike Epik mit dokumentarischem Theater. Zunächst verkörpern SchauspielerInnen den Text des legendären Homer über die Abenteuer des Odysseus auf der Bühne. Nach und nach gesellen sich BürgerInnen aus dem Vorkloster zu ihnen. Sie berichten von wirklichen Geschichten aus Vorkloster, erzählen von sich und ihrer Welt. Nach und nach verwandeln sie sich in Figuren der Odyssee. So wächst das Ensemble im Verlauf der Aufführung, und so verwebt sich die Zeit der letzten 100 Jahre Vorkloster mit der Geschichte von vor 3000 Jahren in Ithaka. Die Zeitebenen fließen ineinander, der Mythos erscheint ganz nah, der Alltag als Dichtung.


DAS OPTIMUM (Arbeitstitel)
von Mario Wurmitzer
Uraufführung
September 2019
Eine Kooperation mit dem Schauspielhaus Wien

Regelmäßig gibt das Thaeter KOSMOS jungen Talenten der Theaterszene aus Österreich die Möglichkeit, sich in der Arbeit bei uns zu entwickeln. Wie schon 2018 laden wir auch 2019 in Kooperation mit dem Schauspielhaus Wien und im Rahmen der Theaterallianz  eine junge Absolventin des Max Reinhardt Seminars ein: die Regisseurin Maria Sendlhofer. Sie wird gemeinsam mit einem jungen Leading-Team die dritte Theater KOSMOS Produktion inszenieren. Das Stück mit dem Arbeitstitel "Das Optimum", das die Regisseurin Maria Sendlhofer und der Autor Mario Wurmitzer gemeinsam entwerfen, kreist um Themen wie Selbstoptimierung und Leistungsdruck, Konformismus und Möglichkeiten der Auflehnung sowie um Mechanismen der Ausgrenzung. Es wird darin unter anderem um die Diskrepanz zwischen Sein und Schein gehen, die angesichts von fake news und alternativen Fakten vielleicht noch nie größer war als heute.


LAMM GOTTES (Arbeitstitel)
von Michael Köhlmeier
Uraufführung
November 2019

Der Theaterabend ist nach einem Triptychon gestaltet, jeder Teil ist in sich geschlossen und erzählt eine eigene Geschichte; jedoch wirken die Teile aufeinander ein, so dass schließlich ein Viertes entstehen soll, dieses allerdings im Kopf des Zusehers.
Im ersten Teil wird ein Märchen dargestellt – zu einer Hochzeitsfeier kommt der Tod, erst denken alle, der Mann sei ein Obdachloser, der Hunger hat, sie laden ihn ein mitzuessen, sein Appetit ist enorm. Am Ende stellt er sich der Braut vor, teilt ihr mit, er wolle ihren Ehemann holen. Sie weint, bittet, der Tod schlägt ihr vor, mit Gott zu verhandeln, seinem Auftraggeber, oder mit dem Teufel. Der Teufel will eine Seele, aber nicht die der Braut, sondern die ihres Gatten. Dafür bietet er ein langes glückliches Leben. – Leben aufzehren, das will der Teufel.
Im zweiten Teil diskutieren zwei Katzen darüber, wie Leben entsteht und Leben endet, und kommen zu der ebenso komischen wie mystischen Erkenntnis, dass Leben und Tod eins sind, dass beide im Fressen und Gefressenwerden in einem Akt zusammenfallen.
Der dritte Teil ist eine Bearbeitung der satirischen Rede von Jonathan Swift „Ein bescheidener Vorschlag im Sinne von Nationalökonomen, wie Kinder armer Leute zum Wohle des Staates am Besten benutzt werden können“, in der er vorschlägt, die Kinder der Bettler von klein an zu mästen und sie den Reichen als Speise zu verkaufen.

Die drei Szenen sind in einen liturgischen Rahmen eingebaut, der daran erinnert, dass der Lamm-Gottes-Kult des Christentums auf den alten Dionysos-Kult zurückzuführen ist, in dem der Protagonist jedes Jahr von seinen Anhängern getötet und aufgegessen wird – Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohnes und nicht trinkt sein Blut, habt ihr kein Leben in Euch. Johannes 6, 53

KOSMODROM

 

VON A NACH B
von David Baldessari

Regie: David Baldessari
Premiere: 7. Februar 2019

Wie erzählen wir uns Geschichten? Und was ist überhaupt eine Geschichte? Was qualifiziert sich?
Mit Hollywood und Facebook vor der Haustüre, ertappe ich mich immer öfter dabei, wie ich mir Erzähler wünsche. Eine Stimme, die mein Leben narrativ untermauert, oder einfach nur jemanden, der mir eine Geschichte erzählt, während das fünfjährige Ich einschläft. Bewusst oder unbewusst teile ich auch mein Leben in Geschichten ein. In Sauf-, Rauf-, Liebes-, Diebes-, und Gruselgeschichten. In Sketches, Polit-Debatten und Abenteuerromane. Doch was geschieht, wenn plötzlich eine Geschichte fehlt? Nicht 'abgeschlossen wird' sondern tatsächlich fehlt. Vielleicht sogar eine Wichtige. Verschwunden im nichts. In der Unendlichkeit. In der Relativität. Was kann man da machen?
Ich würde nach ihr suchen. Und das Suchen würde zu einer neuen Geschichte. Und wenn ich's mir aussuchen kann, wirds eine mit Magie.



ZEMENT
von Carolyn Amann

Regie: Stephan Kasimir

Das Stück „Zement“ beginnt mit zwei Menschen auf einer Wiese. Mutter und Tochter.
Grundbesitzerin und Hausbesitzerin. Sie wollen einen Wasserspeicher anlegen und warten auf
den Landvermesser. Er soll den Grund parzellieren und neue Grenzen stecken. Doch irgendwo
schleicht sich ein Zweifel ein, ob es überhaupt möglich ist, etwas zu besitzen.
Die zwei Figuren bauen Mauern aus ihren Textflächen, die sie halb bewusst, halb unbewusst,
produzieren. Dass sie sich darin nicht verstehen, scheint bereits Gewohnheit zu sein. Ihre
Verwandtschaft, die den Besitz überhaupt erst möglich gemacht hat, zerbricht in Anbetracht
der eigenen Vermögensvermehrung. Entäußert und entkontextualisiert, sprich
zurückgeworfen auf sich selbst, haben sie die Möglichkeit sich als Menschen zu begegnen.

 

Stückewettbewerb „WER GEWALT SÄT“

Unter dem Titel „Wer Gewalt sät“ sind junge Autoren und Autorinnen dazu eingeladen, sich in dramatischer Form mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen.

Im Rahmen der Informationskampagne Gewaltverbot in der Erziehung des Landes Vorarlberg schreibt das Theater KOSMOS in Zusammenarbeit mit der Agentur Werkstatt West einen Stücke-Wettbewerb für das Kosmodrom aus.
Deutsche und österreichische Umfragen und Studien zu Erziehungspraktiken weisen aus, dass zwischen 7 und 10 % der befragten Jugendlichen im Alter von 15 Jahren nach eigenen Angaben im letzten Jahr zumindest gelegentlich, wenn nicht sogar des Öfteren in einer Form gezüchtigt worden sind, dass von Misshandlung gesprochen werden kann. Bis zu 25 % der 6 bis 14-Jährigen leiden unter einem „gewaltbelasteten Erziehungsstil“.
Vorrangiges Ziel der Kampagne ist es, den Bekanntheitsgrad des „Gewaltverbots in der Erziehung“ in der breiten Bevölkerung Vorarlbergs weiter zu steigern und diese für das Thema zu sensibilisieren.

Der Siegertext wird von einer Jury im Juli 2019 prämiert und im Herbst 2019 im Rahmen des Kosmodroms uraufgeführt.

Ausschreibung und Kriterien

THEATERALLIANZ

 

Im Rahmen der THEATERALLIANZ gastiert im Jänner die Theater KOSMOS Produktion „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer nochmals am Schauspielhaus Wien, sowie im Theater am Lend in Graz.

Im Oktober findet ein ALLIANZ- Schwerpunkt im Theater KOSMOS mit insgesamt vier Produktionen statt:

Das Siegerstück des Allianz Wettbewerbs 2018
Der Sprecher und die Souffleuse von Miroslava Svolikova eine Produktion vom Theater am Lend Graz

Owe den Boch von Antonio Fian vom klagenfurter ensemble

Jedermann (stirbt) von Ferdinand Schmalz, eine Produktion des Schauspielhaus Salzburg

Fräulein (ohne Else) von Thomas Arzt als Produktion des Theater Phönix Linz