Premieren 2020

„WAS IST EIN GUTES LEBEN?“

Im Jahr 2019 widmete sich das Theater KOSMOS der Fragestellung „Wie gefällt euch unsere Zeit?“.  Das Zitat stammte aus Ödön von Horvaths Roman Ein Kind unserer Zeit. Die diesjährige Frage, die das Theater KOSMOS an den Spielplan 2020 stellt, lautet: „Was ist ein gutes Leben?“ Daraus ergibt sich auch zwingend die Fragestellung „Was ist eine gute Welt?“

Was ist ein gutes Leben? Für den Soziologen und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa hängt alles davon ab, ob es zwischen der Welt und uns einen Draht gibt, der vibriert, aber: Wettbewerb und Beschleunigung sind Resonanzkiller, weil sie systematisch Angst erzeugen, Angst davor, abgehängt zu werden, nicht mehr mithalten zu können, oder aber: immer schneller laufen und mehr leisten zu müssen, nur um den Platz in der Welt zu halten.“

Was ist ein gutes Leben? Fragen nach privaten Notwendigkeiten und Bedürfnissen, nach gesellschaftlichen Entwürfen oder alternativen Lebensmodellen, Fragen nach dem Stellenwert des „Schönen, Guten und Wahren“, nach politischen Zuständen und politischen Umbrüchen werden sowohl die vier Theaterproduktionen als auch das Rahmenprogramm 2020 begleiten.

Wiederum bietet das Theater KOSMOS seinem Publikum zeitgenössische Theaterliteratur an, von den vier Theaterproduktionen des Jahres werden drei Uraufführungen zu sehen sein.

WARTEN AUF TRÄNENGAS von Bernhard Studlar und Andreas Sauter (UA)
WUNSCHLOSES UNGLÜCK von Peter Handke
LIVE AND LET DIE (Arbeitstitel) von Simon Dworaczek (UA)
LIMBUS von Florentina Hofbauer (UA)

THEATER KOSMOS

WARTEN AUF TRÄNENGAS
von Bernhard Studlar und Andreas Sauter
Uraufführung
Premiere: 20.2.2020

Szene vor dem Palast: Zuerst sind es nur ein paar Menschen, die schweigend vor dem Regierungssitz des Präsidenten stehen. Nach und nach werden es mehr und immer mehr, die ihren Blick gegen die Glasfassade des Regierungsgebäudes richten: als wollten sie sie mit der Kraft ihrer Gedanken sprengen. Die Demonstrant*innen haben keine Parolen mitgebracht und keine Schilder. Und vor allem suchen sie kein Gespräch. Es ist still vor dem Palast, ein Machtvakuum verdichtet sich. Als die Situation schlagartig eskaliert, kommt Tränengas zum Einsatz, erklärt der Staat binnen Sekunden seinen Bankrott.
Parabelhaft spielen Sauter und Studlar die verführerische Leichtigkeit eines Machtwechsels durch. Dabei setzen sie sich mit dem Charakter und den Folgen postdemokratischer Politik auseinander, deren Ideenlosigkeit sich mit den austauschbaren Masken griffiger, Progressivität imitierender Slogans zu schmücken weiß.

WUNSCHLOSES UNGLÜCK
von Peter Handke
Premiere: April 2020

„Es ist inzwischen fast sieben Wochen her, seit meine Mutter tot ist, und ich möchte mich an die Arbeit machen, bevor das Bedürfnis, über sie zu schreiben, das bei der Beerdigung so stark war, sich in stumpfsinnige Sprachlosigkeit zurückverwandelt, mit der ich auf die Nachricht von dem Selbstmord reagierte.“

Mit diesen Sätzen beginnt Peter Handkes kurzes und harsches, aber zutiefst liebevolles Buch „Wunschloses Unglück“. Es ist die Geschichte seiner Mutter, ihres Lebens in einem Dorf in Unterkärnten in der Vor-, Kriegs- und Nachkriegszeit, ihres Versuchs aus dieser Enge auszubrechen, ihres Scheiterns und ihres Freitodes. Es ist auch die Geschichte eines Landstriches und seiner Menschen, die exemplarisch für ein ganzes Land und eine ganze Generation steht.

 

Live and let die (Arbeitstitel)
von Simon Dworaczek
Uraufführung
Premiere: September 2020

Simon Dworaczek wird gemeinsam mit seinem Team für das Theater KOSMOS ein Stück entwickeln:
„Die Welt ist im Umbruch. Wir erzählen die Geschichte von zwei Frauen und einem Musiker, die sich fragen, wo dieser Umbruch denn eigentlich hingehen soll? Ängste, Verzweiflung, aber auch Sehnsüchte und Hoffnung. Und immer wieder dieser Mensch. Die Stückentwicklung rückt den Menschen mit all seinen Phänomenen in den Fokus. Wo bleiben wir, wenn die Welt umbricht? Und was bedeutet das für unser Leben?“

„Wenn die Fantasie der Menschen nicht mehr die Kraft hat, Bilder zu erschaffen, dann wird die Menschheit arm.“ Astrid Lindgren

 

LIMBUS
von Florentina Hofbauer
Uraufführung
Premiere: November 2020

Siegerstück des Stückewettbewerbs 2019 „Wer Gewalt sät“ aus Anlass der Informationskampagne des Landes Vorarlberg zum Thema „Gewaltverbot in der Erziehung“.

„In Limbus – im äußersten Kreis der Vorhölle - sind gesellschaftliche und familiäre Gewalt eng miteinander verflochten. Damit geht Florentina Hofbauer einen entscheidenden Schritt weiter als alle anderen Autorinnen und Autoren, die zu diesem Wettbewerb eingereicht haben. Sie hat nicht die naive Therapiegläubigkeit, die den einzelnen Menschen heilen zu können glaubt, wo die Verhältnisse krank sind. Sie untersucht das an zwei exemplarischen weiblichen Biografien. Zwei Frauen, die in extreme Situationen geworfen wurden: Die eine ist Svetlana Allilujewa, Tochter von Stalin. Die andere Frau ist Nelli Mann, eine „pretty woman“, die mit 31 den damals 60jährigen Heinrich Mann heiratete. Zwei Frauen auf der Bühne reden Klartext. Als Tochter die eine, als Ehefrau die andere. Sie sind in den Sog der Gewalt geraten, schuldlos Mitschuldige an gesellschaftlicher und familiärer Gewalt." (Jurymitglied Ingrid Bertel zu Florentina Hofbauers Text)

 

KOSMODROM

KOSMODROM PROJEKTE 2020

Der 2019 erstmals ausgeschriebene Kosmodrom Stückewettbewerb zum Thema „Wer Gewalt sät“ brachte zahlreiche Einsendungen von jungen AutorInnen und TheatermacherInnen. Zwei dieser Texte werden im Rahmen des Kosmodroms im Jahr 2020 umgesetzt: Infantizid, Femizid, Suizid von Amos Postner / Felix Kalaivanan und TEKKEN live von Chris Huber.

Für das kommende Jahr ist auch die Umsetzung des Wettbewerbstextes „B.S.K. - Bande starker Kinder“ von der aus Klaus stammenden Annabella Gmeiner, Jahrgang 1989 geplant. Die Jury befand diesen als „wunderbares Jugendstück, … starke Kinderfiguren … spritzig geschrieben“. Die beiden KOSMOS-Leiter wollen das Stück gemeinsam mit einer Schulklasse auf die Bühne bringen.

 

KOSMODROM Stückewettbewerb 2020

Das Theater KOSMOS Bregenz schreibt im Jahr 2020 für seine Foyer-Spielstätte KOSMODROM erneut einen Stückewettbewerb aus.

Unter dem Wettbewerbstitel „Life in 2050“ sind junge AutorInnen dazu eingeladen, in dramatischer Form einen Blick in die Zukunft zu werfen. Welche Utopien oder Dystopien erwartet die Menschheit im Jahr 2050. Welche Hoffnungen, Sorgen, Sehnsüchte, Chancen oder Ängste sehen junge AutorInnen, wenn sie aus heutiger Sicht einen dramatischen Ausblick auf das Leben in dieser 30 Jahre entfernten Zukunft wagen.
Welche privaten, technologischen, politischen, gesellschaftlichen, philosophischen, religiösen oder ökonomischen Lebensmodelle werden unser Leben in dieser nahen Zukunft bestimmen?

Ausschreibung und Kriterien

THEATERALLIANZ

DIE THEATERALLIANZ 2020

Die Gastspiele im Rahmen der Theaterallianz werden auch 2020 fortgesetzt.
Wir freuen uns Ende Juni die Fortsetzung des erfolgreichen Stückes „KUDLICH – eine anachronistische Puppenschlacht“ in Bregenz begrüßen zu dürfen.

Gastspiel Schauspielhaus Wien
KUDLICH IN AMERIKA – UA
von Thomas Köck
Regie: Elsa-Sophie Jach & Thomas Köck