Premieren 2026

SAPERE AUDE
„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Bei der Vorstellung unseres letzten Spielplanes ist es uns wichtig, nicht nur über das kommende Programm des Theater Kosmos zu sprechen.
Wir möchten den Blick etwas weiter öffnen und uns grundsätzlich fragen, welche Bedeutung Kunst und Kultur in der Gesellschaft hat.

Die Demokratie – jene Staatsform, die wir uns über Generationen erkämpft und erarbeitet haben, die wir für das beste politische System unseres Zusammenlebens erachten ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss jeden Tag aufs Neue gedacht, gelebt und betreut werden.

Die Basis jeder Demokratie sind ihre mündigen Bürger und Bürgerinnen, ihre Wähler und Wählerinnen. Sie sind das Fundament einer solidarischen Gesellschaft, die Gerechtigkeit, Pluralität, freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, Minderheitenschutz, Hilfsbereitschaft, Empathie und die allgemeinen Menschenrechte zu ihren Grundwerten zählt.

Eine der großen Qualitäten von Kunst, sei es Literatur, Malerei, Musik oder eben Theater liegt darin, dass sie Menschen zur Auseinandersetzung einlädt. Sie fordert zu Stellungnahme auf. Sie lässt Fragen zu, öffnet den Blick. Kunst evoziert eine eigenständige Haltung, fordert eine Position und zwingt zu selbständigem Denken. Sie führt zur Entwicklung eines eigenen Standpunkts und fordert unsere Mündigkeit – den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Voraussetzung dafür ist aber, dass das Denken und die Lust am Denken, der Austausch von Gedanken und die Diskussion über das Gedachte im Rahmen von Bildung und Ausbildung ermöglicht, gefördert und vermittelt wird. Daraus entsteht die Fähigkeit eben jenen besagten Mut zu schöpfen und sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Diese, aus Bildung und Kunst erwachsende Mündigkeit bildet die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft. Demokratie beruht darauf, dass sie von freien Bürgerinnen und Bürgern, von souveränen Wählerinnen und Wählern getragen wird. Sie funktioniert nur unter dieser Voraussetzung und bildet so wiederum die Grundlage für jene gesellschaftliche Atmosphäre, die unabhängiges Denken und freie künstlerische Entfaltung zulässt. Und wie gesagt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Kleptokratie, entfesselte Raffgier, unredlicher Populismus und eine aus allen Fugen geratene Ökonomie unser aller Leben und unsere Lebensentwürfe zu zertrampeln versucht, erscheint es uns ganz besonders wichtig, alles zur Verfügung Stehende dagegen zu unternehmen und sich zu wehren, um nicht wieder in eine „selbstverschuldete Unmündigkeit“ zu geraten. Wir müssen alles daransetzen, die Errungenschaften einer humanistisch demokratischen Gesellschaft zu verteidigen und zu beschützen.

Bildung und Kunst sind zentrale Säulen unseres Zusammenlebens und verdienen größte Beachtung, größten Respekt und eine größtmögliche finanzielle Ausstattung, um ihren Beitrag zu einer freien demokratischen Gesellschaft auch leisten zu können.

Wir stellen unserem letzten Spielplan, unserem letzten Theaterjahr das Motto „Sapere aude“ voran. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Yes – we Kant!

Halten, Bleiben, Leben | Uraufführung
von Bernhard Studlar

 

Premiere 19. Februar 2026

 

Ein kurzer Augenblick an einer Bushaltestelle: Zwei Menschen begegnen einander, halten inne, beginnen zu sprechen. Aus diesem alltäglichen Moment entfaltet sich in Halten, Bleiben, Leben – Fragmente einer Liebe eine ganze Lebens- und Liebesgeschichte.
Bernhard Studlars Text erzählt in Fragmenten. Ein Satz kann ein Jahr bedeuten, ein Detail ein Jahrzehnt. Zeiten überlagern sich, Erinnerungen treten hervor, intime Situationen werden vergrößert und präzise betrachtet. Der Text springt zwischen verschiedenen Lebensphasen: vom jungen Liebespaar über die Herausforderungen der Mitte des Lebens bis hin zu den letzten Fragen eines gemeinsamen Weges.
Zwei Menschen erinnern sich. Sie erzählen von Liebe und Trauer, von Sehnsucht und erfüllten Hoffnungen, von Enttäuschungen und dem, was bleibt.

Eine poetische Uraufführung über Nähe, Zeit und die Fragilität gemeinsamer Geschichte.

mit Hubert Dragaschnig, Hannes Kainz, Sabine Lorenz, Gabriel Marrer, Julia Reisser, Michaela Vogel
REGIE Augustin Jagg | BÜHNE & LICHTGESTALTUNG Stefan Pfeistlinger | KOSTÜM Nicole Wehinger | MUSIK Herwig Hammerl

Kleine Eheverbrechen
von Éric-Emmanuel Schmitt

Übersetzung: Bäcker Annette & Bäcker Paul

Premiere 07. Mai 2026

 

Gilles hat durch einen mysteriösen Unfall (war es ein Unfall?) sein Gedächtnis verloren. Seine Ehefrau Lisa, mit der er seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, kehrt mit ihm in die gemeinsame Wohnung zurück. Ist es wirklich seine Wohnung? Ist Lisa wirklich seine Frau? Gilles kann sich (scheinbar?) an nichts erinnern. Wer ist er? Wer ist Lisa? Was für eine Ehe führten sie? Mühsam versucht er seine Vergangenheit, sein Leben zu rekonstruieren. Beunruhigt und amüsiert zugleich lauscht er dem wundervollen Portrait, das Lisa von ihm, ihrem Zusammenleben und ihrer gemeinsamen Liebe zeichnet. Doch wenn Lisa nun lügen würde? Ist er tatsächlich so, wie sie ihn beschreibt. waren sie tatsächlich so verliebt, wie sie sagt, oder war es im Gegenteil eine Hassliebe, die sie verbindet? Oder spielt gar Gilles falsch? Weiß er mehr, als er zugibt?

„Kleine Eheverbrechen“ ist ein faszinierendes Vexierspiel, in dem sich zwei Personen einen erbitterten Schlagabtausch liefern, in dem in überraschenden Theatercoups die Situationen immer wieder umkippen und in neuen Konstellationen münden, die das Vorangegangene auf den Kopf stellen.

mit Katrin Jaehne und Johannes Gabl
REGIE Michaela Vogel | BÜHNE Mandy Hanke | KOSTÜM Nicole Wehinger | MUSIK Herwig Hammerl

under the influence | Uraufführung
von Natalie Baudy 

 

Siegerstück der österreichischen Theaterallianz 2025
Eine Koproduktion der Bregenzer Festspiele und dem Theater KOSMOS im Rahmen der österreichischen Theaterallianz.

 

Premiere 12. August 2026

 

Drei Frauen aus drei Generationen kommen sich im siebten Stock eines Wohnhauses allmählich näher, als plötzlich seltsame Plagen in ihren Lichthof prasseln. Abgeschnitten von der Außenwelt leeren Ems, Anja und Liselotte Flasche um Flasche und teilen Erinnerungen an Rausch, Beziehungen und Familie. Während die vom ewigen Exzess erschöpfte Göttin Dionysa die Plagen beseitigt, geht den drei Frauen der Alkohol aus und sie fassen einen radikalen Entschluss. – Ein Stück über Abhängigkeiten und der Suche nach einem entpatriarchalisierten Rausch.

Inszenierung und Bühne | Josef Maria Krasanovsky

Macbeth
von John von Düffel

 

Theater KOSMOS Koproduktion mit Das Theater an der Effingerstraße

 

Premiere 08. Oktober 2026

 

Shakespeares wohl berühmtester «Höllenritt», verdichtet auf zwei Personen und auf seinen Glutkern: Macbeth und seine «Lady» träumen nicht bloß vom Griff nach der schottischen Königskrone und der uneingeschränkten Macht – sie setzen ihre Pläne grausam in die Tat um, bis sie über ihren eigenen Ehrgeiz und ihre Hybris ins Bodenlose stürzen.

«John von Düffel hat nicht nur die fabelhafte Übersetzung geschaffen, er hat das Geschehen ganz auf das Beziehungsdrama der Eheleute konzentriert und das mit königlichen Machtspielen und Mordorgien gespickte Drama so klug verkürzt, dass der Kreislauf von Wahnsinn und Gewalt nachvollzogen werden kann.» (Die Welt)

MACHT – das Schlagwort unserer Zeit. Was treibt sie an und wohin führt sie?

Das berühmteste Ehepaar der Weltliteratur ist hochaktuell.

«Wenn wir die Macht besitzen, machen wir die Wahrheit. Und was wir sagen, ist Gesetz.» Lady Macbeth

mit Sabine Lorenz und Bernd Sracnik
REGIE Markus Keller | BÜHNE Peter Aeschbacher | KOSTÜM Sybille Welti

Männer spielen
von Anton Fischer | Uraufführung

im Rahmen des KOSMODROM

 

Premiere November 2026

 

Irgendwo im gut gedämmten Elend deutscher Provinz spielt eine kleine Menge Männer ernste Spiele: Alexander findet ein Gewehr im Kornfeld und richtet es auf seinen Vater. Der Agraringenieur Helmke kämpft im Getreidepanzer gegen Erde und Ähren. Seifert und Raum schleppen einen widerspenstigen Flachbildfernseher vom Wohnzimmer in die Garage. Aktivität geformt aus Konkurrenz, Aggression und Komik. Als ein Schuss durch die Männerwelt knallt und der Fernseher plötzlich merkwürdige Geräusche macht, stellen sich Fragen.
Im Scharen gegenwärtiger Wehrertüchtigung handelt „Männer spielen“ von der Lächerlichkeit kleiner und großer Männer, von der Sehnsucht nach Gewalt und der Grausamkeit deutscher Geschichte.

REGIE Florian von Hörmann