Premieren 2024

Die Erzählung hat Zukunft

Das Theater KOSMOS stellte seine Produktionen im Jahr 2023 unter das theatralische Motto „Liebe in Zeiten der Krise“. Das Miteinander in schwierigen Zeiten bestimmte die Themen und Inhalte des vergangenen Theaterjahres. Dem Theaterjahr 2024 stellt das Theater KOSMOS den Satz aus einem Essay des Philosophen Odo Marquard voran: Die Erzählung hat Zukunft!

Tag für Tag sind wir allem Gesehenen, Gehörten und Erlebten ausgeliefert und dazu verdammt, alles zu beurteilen und in unser Wertesystem, unseren Alltag einzuordnen. Die Überinformation, das andauernde Einprasseln von Bildern, Texten, Nachrichten aus aller Welt – und meistens sind es keine guten Nachrichten – treiben den Menschen in eine Überforderung und in ein Gefühl der Ohnmacht. Die daraus resultierende pessimistische Grundstimmung evoziert vielfach einen Rückzug aus den Konfliktfeldern der Gesellschaft hinein ins Private, in die hermetischen Blasen abgekapselter, einsamer Wohlfühlräume.

Die Zeit, in der es als Gegenüber den „Anderen“ gab, scheint vorbei. Der Andere als Begehren, als Hölle, als Schmerz, als Eros verschwindet. Übrig bleibt die aufgezwungene Positivität des Gleichen. Und dieses Gleiche wuchert und gibt sich als Wachstum aus. Man ergibt sich dem „Binge Watching“. Dem Serienmarathon. Dem Komaglotzen. Der Rückzug in die Bubble, in die eigenen Echoräume beendet jede zwischenmenschliche Auseinandersetzung und jeden offenen gesellschaftlichen Diskurs. Statt Anteilnahme und Empathie bleiben nur mehr verzerrte Rückkoppelungen des ewig Gleichen.

„Wir Menschen müssen Erzählen. Denn wir Menschen sind unsere Geschichten, und Geschichten muss man erzählen. Wer auf seine Geschichten verzichtet, verzichtet auf sich selbst“, schreibt Odo Marquard. Man muss erzählen und den Erzählungen zuhören Das Erzählen gibt uns die Möglichkeit, Empathie für die Geschichten des Anderen zu entwickeln, am Schicksal des Anderen teilzunehmen.

Das Theater kann das. Das Theater ist in der Lage, uns durch szenische Erzählungen zum Zuhören, Ernstnehmen und Sprechen zu verführen, uns im besten Falle in ein wertschätzendes, solidarisches Miteinander zu bringen. Das Theater als Ort der Öffentlichkeit, des Zusammentreffens führt uns dazu, Positionen zu formulieren, Standpunkte zu beziehen und andere Blickweisen zu respektieren. Ein Fest der Verschiedenartigkeit, der Andersartigkeit, ein Fest der Selbständigkeit, ein Fest der Demokratie.

Und gerade im Jahr 2024, in dem sich der Geburtstag Immanuel Kants zum 300. Mal jährt, kann die Erzählung, kann das Theater sich als Bollwerk gegen die Unmündigkeit und als Bastion der Mündigkeit feiern. Das Erzählen hat Zukunft.

KOSMODROM: Die Erwachsenen

von Irene Diwiak | Uraufführung
Premiere 18. Jänner 2024

 

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ (Lew Tolstoj)

Das Ehepaar Thore und Theresa hat es sich gut eingerichtet in seinem Erwachsenenleben. Aber als Thores Schwester Swintha überraschend bei ihnen auftaucht und verschüttet geglaubte Gräben aufreißt, beginnt die Fassade zu bröckeln.
Es ist ein Stück Familiengeschichte, die von politischem Fanatismus, Dogmen und orthodoxen Parametern geprägt ist. Das Stück wirft einen Blick auf die „Neue Rechte“, die Reichsbürger, die Identitären…Das Offenlegen des Gewesenen, das Aussprechen der abgründigen Wahrheiten birgt dennoch Hoffnung.

Das Stück gewann den zweiten Platz des Ingo & Ingeborg Springenschmid Preis, der 2022 zum ersten Mal ausgeschrieben wurde.

mit Katharna Dalichau, Caroline M. Hochfelner, Boris Schumm
Regie SABINE LORENZ | Bühne MANDY HANKE | Kostüm NICOLE WEHINGER
Dramaturgie: HUBERT DRAGASCHNIG

Antigone

von Michael Köhlmeier | Uraufführung
Premiere 08. Februar 2024

 

Michael Köhlmeiers Bearbeitung der „Antigone“ nach Sophokles. Seit 25 Jahrhunderten wird die Geschichte von Antigone immer wieder neu erzählt oder interpretiert. Ist Antigones Tat eine der Spaltung oder der Versöhnung? Welche Schritte sind nach dem Krieg notwendig, Frieden zu schaffen? Welche Rolle spielen dabei Staat und Mensch? Tiefgehende Fragen, auf die wir heute nicht weniger Antworten suchen als Sophokles vor zweieinhalb Jahrtausenden.

mit Magdalena Lermer, Johanna Egger, Olaf Salzer, Isabella Wolf, Rene Eichinger, Michael Zehentner, Michael Graf
REGIE Robert Pienz | AUSSTATTUNG: Ragna Heiny | MUSIK Georg Brenner | LICHT Marcel Busá | DRAMATURGIE Jérome Junod

Ismene, SCHWESTER VON

mit Sabine Lorenz
Premiere 15. Februar 2024

 

„Ich. Vergessen. Nicht etwa verschmäht. Schlicht und einfach… vergessen.“
Nach einer Ewigkeit des Schweigens stellt sich Ismene ihrer Geschichte.

Der Monolog „Ismene, SCHWESTER VON“ basiert auf der mythologischen Figur der Ismene, Schwester von Antigone, Tochter des Ödipus.
Sabine Lorenz spielt die Geschichte einer Frau, die immer im Schatten ihrer heldenhaften und weltberühmten Schwester Antigone gelebt hat. Einer Frau, die meint, kein Existenzrecht zu haben, weil sie nie etwas Großartiges getan hat, die sich schämt für das, was sie ist. Ismene, der das Recht auf Ruhm ebenso verwehrt blieb wie das Recht auf Trauer um ihre Familie. Ihre Tränen, ihr Zorn und ihre Ohnmacht zählen nichts angesichts der großen Tragödie ihrer Familie. 3000 Jahre blieb sie im Schattenreich, vergessen vom Leben, vergessen vom Tod. Jetzt beginnt sie zu reden, irgendwo, wo die Zeit nicht mehr zählt.

Sabine Lorenz ist Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin und lebt in Lindau. Sie sieht sich als Werkzeug ihrer Figuren und berührt ihr Publikum mit facettenreichen, dramatischen, tiefen Frauenrollen wie Maria Stuart, Kriemhild, Andromache, Medea u.a.
www.sabinelorenz.actor | www.sabinelorenz.actor/schwestervon

Fairycoin

von Natalie Baudy | Uraufführung
Premiere 18. April 2024

 

„Fairycoin“ von Natalie Baudy. In diesem „Märchen aus der Kryptowelt verarbeitet die junge Autorin ihre – oder besser unsere – finanzkapitalistische Wirklichkeit, die sich immer mehr in das Digitale verlegt. In surrealen, humorvollen und bildgewaltigen Märchenbildern erzählt sie von der Gier der Glücksucher*innen und deren (Un)Vermögen. Der Goldesel als Allegorie für das Lebensglück ist aber nur ein weiteres Glückversprechen des Kapitalismus, das sich als Märchen entpuppt.

Das Stück entstand im Rahmen des Drama Lab der Wiener Wortstaetten.
https://www.wortstaetten.at/projects/drama-lab-2023/

Eine Koproduktion mit UNPOP, dem Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung.

mit Hubert Dragaschnig, Johannes Gabl, Sabine Lorenz, Helga Pedross, Caroline Hochfellner, Nurettin Kalfa, Barbara Novotny, Anwar Kashlan, Carmen Jahrstorfer, Diana Kashlan, Suat Ünaldı, Julia Loibl
REGIE Stephan Kasimir | AUSSTATTUNG Caro Stark | DRAMATURGIE Augustin Jagg

Mondmilch trinken

von Josef Maria Krasanovsky | Uraufführung
Premiere 01. August 2024

 

In „Mondmilch trinken“ verdichtet Josef Maria Krasanovsky die Fragen der Gegenwart zu einem temporeichen, absurden Reigen. Das Stück verhandelt die unzähligen kleinen und großen Deals, die wir alle als Teil des gegenwärtigen westlichen Wertekanons Tag für Tag mit uns selbst verhandeln müssen.

Eine Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen und dem klagenfurter ensemble, in Kooperation mit der österreichischen Theaterallianz.

INSZENIERUNG/ BÜHNE Josef Maria Krasanovsky
VIDEO Dominika Kalcher

Sonny Boys

von Neil Simon
Premiere 28. November 2024

 

In seiner großartigen Komödie erzählt Neil Simon die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen zwei Schauspielern. In diesem rasant geschriebenen Stück kommen die „Erzähler“ selbst mit ihren Nöten und Befindlichkeiten zu Wort. Ihre Bühnenbiografien werden mit viel Ironie zu einer tragikomischen Geschichte verwoben.

Ein witziger Balanceakt zwischen Komödie und Tragödie, nicht ohne einen Anflug von Wehmut und Nostalgie. Eine liebevolle Hommage an das Theater.

mit Hubert Dragaschnig, Bernd Sracnik u.a.
REGIE Augustin Jagg